Dienstag, 05.01., 18:20 Uhr Xi’an-Zeit
Hallo im neuen Jahr!
Schon mehr als 6 Monate „Pony Hütchen in China“… könnt ihr das glauben? Kinder, wie die Zeit vergeht! Die nächsten 6 Monate werden sicher auch interessant und spannend, aber vielleicht nicht ganz so lustig, weil meine liebe Sylvia nach dem Frühlingsfest einen Job in einer anderen Stadt anfängt. Also, das ist natürlich super für sie, denn sie wollte Englisch unterrichten, hat hier aber fast nur Deutsch unterrichtet und war wie wir alle nicht wirklich zufrieden. Sie hat aber, im Gegensatz zu eurem Frollein Hütchen, einen Arsch in der Hose und hat sich etwas Neues gesucht. Für das gewisse Frollein Hütchen ist das nun weniger schön, so ohne Sylvia, aber so ist das Leben und noch ist es ja auch nicht so weit. Zum Glück!
Aber gut, Schluss mit Sentimentalitäten und zurück zum Tagesgeschäft. Was ist in den Tagen seit meinem letzten Blog passiert. Ich war krank (glaub ich), und so oder so kränkel ich schon wieder ordentlich, mit Reizhusten und Schnupfen und so. Mein Wick MediNight ist alle, nun hab ich chinesischen Sirup, so dick und braun und fast so lecker wie Apfelrübensirup, den ich zuhause zum Backen nehme (und oh backen, wie ich das vermisse manchmal!). Malsehen, ob er hilft, so isses nämlich nicht so schön, weil ich ziemlich k.o. bin. Unterrichte jetzt auch wieder Intensiv-Kurs, das heißt 5 Stunden und das geht gesund natürlich besser als krank.
Was war sonst noch los? Am 23., Mamas Geburtstag, musste ich eine „Rede“ halten, vor 120 Studenten oder so. War nicht lang, nur so 15-20 Minuten, aber ich hatte vorher trotzdem ordentlich Muffensausen. Das war von der Schule aus organisiert, Werbung für die Schule eigentlich. Aber ich hab’s ganz gut gemacht, denke ich, jedenfalls kamen hinterher einige und fragten mich noch genauer aus und einer schob mir, als ich wieder auf meinem Platz saß, einen Zettel mit „Good job!“ zu. Das war dann aber schon mehr als alles, was ich von meinem Chef oder irgendeinem von der Schule gehört habe. Die sagten dazu einfach gar nichts und das fand ich eigentlich nicht sehr nett. Aber na ja.
Weihnachten und Silvester gab es zwischendurch ja auch noch, beides war nett, aber nicht wirklich weihnachtlich oder silvesterlich. Heiligabend hatte ich frei, hab also ein bisschen länger geschlafen, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ geguckt, ein bisschen sauber gemacht und dann mit Sylvia und Maria Mittag gegessen und danach noch Torte (die war aber nicht so der Hit, obwohl mein Stück von allen noch das beste war). Danach ging es wieder nach Hause und ich habe eine leckere Suppe für den Abend gekocht – Kokosnuss-Süßkartoffel-Suppe. Mmmmh! Das war echt der Hit eigentlich, auch wenn Eigenlob stinkt und so.
Den Abend haben wir dann bei Alexandra und Sylvia verbracht, mit Sylvias Mama und Schwester, Maria und Judith, einer Praktikantin hier. Es war gemütlich, aber halt nicht wirklich weihnachtlich. Geschenke gab es ein paar kleine von Alexandra und meiner Mitbewohnerin, obwohl wir gesagt hatten, dass wir uns nichts schenken, sondern stattdessen etwas schönes zusammen machen. Und größere Geschenke gab es auch, von zuhause, über die ich mich sehr gefreut habe. Alles in allem ein schöner Tag, aber halt ohne echte Weihnachtsstimmung. Und am nächsten Tag ging es auch schon wieder zurück zur Arbeit.
Silvester war ähnlich. Haben in der gleichen Konstellation, aber noch mit 2 Spanierinnen, die zu Besuch waren, und Herrn Chen (von dem nun geglaubt wird, dass er, wie auch der Chef, wohl eher Männern als Frauen zugetan ist… [my life is a soap opera!]) in einem Büffet-Restaurant gegessen. War ganz lecker, aber auch ein bisschen chaotisch, weil dort sooo viele Leute waren. Danach sind wir in eine Hotel-Bar mit Musik, wo wir schon manchmal waren. Salsa-Live-Musik, aber erstens ist Salsa nicht meins und zweitens war die Band auch noch superschlecht. Aber Techno oder so was in der Art und eins/zwei Getränke machten es erträglich. Mitternacht gab es einen kleinen Countdown und Konfetti, für uns alle in spanischer Tradition 12 Weintrauben, Wünsche für’s neue Jahr, nen Anruf aus Deutschland für mich gepaart mit ein paar sentimentalen Minuten und schon war Silvester vorbei und das neue Jahr hier…
Und sonst?
Hm, die Schule hatte einen Wettbewerb organisiert, so einen Englisch-Wettbewerb, der Provinzen-weit und dann in Beijing mit den Gewinnern aus jeder Provinz stattfindet. Ich hatte die Ehre (?), zweimal in der Jury zu sitzen, beim zweiten Mal mit der mehrmaligen Anweisung, doch bitte in formeller Kleidung zu erscheinen. Gesagt, getan, während die Assistentin des Chefs mit den gleichen Klamotten rumlief wie schon seit 3 Tagen. Nun ja. Alle mussten Reden halten, Fragen beantworten und „debattieren“ und wir mussten es bewerten. Mit Bleistift auf einem Zettel, der nach jeder Runde eingesammelt wurde, zum Auszählen. Allerdings nicht nur zum Auszählen, sondern auch zum Ausradieren!!! Assistentin vom Chef und noch eine von der Schule saßen zwei Plätze neben mir, also auch quasi vor den Augen der Teilnehmer, und radierten fröhlich hier und da die Punkte weg und schrieben etwas anderes hin. Ich bin fast explodiert, so sauer war ich!
Dank der Nachhilfe hat dann scheinbar auch der Richtige – und nicht der Beste!! – gewonnen, aber ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sauer ich war. Ich meine, es ist unfair uns gegenüber, die sich alles zwei Stunden lang anhören und bewerten, aber noch gemeiner ist es natürlich den Teilnehmern gegenüber. Aber die Assistentin meinte, sie wollte es ja auch nicht machen, sie musste es aber tun. Das ist wohl China. Bis ich mich an solchen Scheiß gewöhnt habe, wird es aber wohl noch eine Weile dauern.
Aber nun noch zum Abschluss zu etwas schönem – und nein, es betrifft keine Männer, das ist mir nicht vergönnt. Aber vielleicht lest ihr trotzdem weiter…
Am 1.1. hat eine Mitarbeiterin der Schule geheiratet und sie hat alle Lehrer eingeladen. Na, da war ich ja gespannt. Die erste Hochzeit meines Lebens und dann auch noch in China!
Kleiderordnung gab es nicht, wie immer könne man gehen, sagte die Assistentin (das tat sie auch, wie immer!). Wir hatten uns ein bisschen schicker gemacht und waren wie verabredet um 11 an der Schule, weil uns Autos zum Ort des Geschehens bringen sollten. Typisch Chinesisch gab es natürlich mehr Menschen als Autos, eine Sache, die ich auch nicht verstehen kann, und über die ich mich stundenlang aufregen könnte. Wenn ich weiß, wie viele Leute kommen, warum nicht ausreichend Autos organisieren???
Die Hochzeit fand dann in einem Restaurant in Süd-Xi’an statt. Das Brautpaar, sie in weiß, erwartete die Gäste zusammen mit den Trauzeugen am Eingang, wir wurden zu unseren Plätzen geschickt… ein großer Saal mit vielleicht 15 runden Tischen, 8-10 Leute pro Tisch, kleine Bühne. Ein Moderator= Animateur=Sänger führte durch das Programm. Das Paar marschierte ein, Reden wurden geredet (aber nicht so viele), die Braut bekam den Ring an den Finger gesteckt, die Eltern des Partners durften zum ersten Mal mit Mama oder Papa angesprochen werden und man bekam einen roten Umschlag mit Geld. Noch mehr Reden, Küsse, bei denen sich das Paar ein bisschen pikierte (früher wäre das wohl das erste Mal gewesen, dass sie sich küssen, aber heute ist es schon ein bisschen anders, ich glaube, die beiden haben sogar schon zusammen gewohnt). Rede des Chefs und alle Gäste der Schule durften dem Paar einen Glückwunsch-Satz auf Chinesisch sagen. Ein Spaß für die Zuhörer, für uns eher peinlich, aber na ja. Dann musste der Bräutigam seine Braut Huckepack aus dem Saal tragen, wir durften Mittagessen und das Paar kam einige Zeit später (sie in anderer Kleidung) zurück, der Mann stoß an jedem Tisch an, man wechselte ein paar Worte, der komische Animateur sang, noch einer sang und eine unserer Lehrerinnen sang auch (so eine aus Weißrussland, die nie bei irgendwelchen Geburtstagen dabei ist, weil wir alle Ausländer sind, sie aber gern Chinesin sein möchte, glauben wir. Dem Ziel ist sie nun um einiges näher gekommen, nachdem sie einen Chinesen geheiratet hat, den sie maximal 1 Monat kannte und der auch noch mindestens 3 Jahre jünger ist als sie. Der arme Junge. Vorher hatte sie einen Freund, auch Chinese, der aber auch noch verheiratet war, allerdings nicht mit ihr… den verließ sie, als er sich dann doch nicht scheiden lassen wollte und schwuppsdiwupps einen Monat später ist sie verheiratet…). Die sang jedenfalls auch, auf Chinesisch natürlich und einmal musste ihr armer Mann sogar mit. Ich sag armer Mann, weil der garantiert nichts zu sagen hat zuhause. Bloggen ist ja nur schriftlich und da kann ich sie nicht imitieren, aber die Frau hat echt einen Schaden. Wie noch so einige andere hier… zum Beispiel eine olle Deutsche, die 43 oder so ist, aber eine Turnhose hat, auf der auf’m Arsch „juicy“ steht… nicht sehr passend. Die konnte am 31. auch nicht zu einem Workshop kommen, den die zwei spanischen Besucherinnen angeboten haben, denn am 31. macht sie immer einen Spaziergang und das musste also dann auch sein. AAAArgh! Echt!
Aber gut. Hochzeit war jedenfalls schön und sonst geht es mir auch ganz gut, abgesehen von der Krankheit und einem an- und ausgehenden Internet.
Bald habe ich eine Woche Ferien, wie es aussieht, fliege ich nach Vietnam. Zwar alleine, aber sicher wird es toll.
So, genug für heute, eure Augen sind sicher auch schon müde.
Bis bald, ihr Lieben!
Pony Hütchen