Blog 9
Samstag, 02.08., 16:40Uhr Xi’an-Zeit
Ich hab gehört, ihr wartet schon alle auf einen neuen Blog und der ist in der Tat ja auch schon sehr sehr lange überfällig. Eigentlich hätte ich ihn gleich noch am letzten Wochenende schreiben sollen, als Eindrücke und Gefühle noch frisch waren, aber irgendwie war einfach keine Zeit. Fotos kann ich auch nicht hochladen im Moment – ich werd noch verrückt mit dem Nicht-Funktionieren hier… Aber vielleicht kommt morgen wieder mal jemand und guckt sich das an, weil bei meiner neuen Mitbewohnerin, Maria, auch so viel nicht geht. Also, haben wir Geduld, ja?
Gestern war mein 1-monatiger China-Geburtstag, sozusagen, und den hab ich angemessen gefeiert. Aber der Reihe nach.
Das spannendste Ereignis der letzten Woche bzw. seit dem letzten Blog war wohl das Bergsteigen vergangenen Samstag. Um halb 7 haben wir uns an der Schule getroffen [unterwegs begegnete mir Tai Chi-machende Menschen, die so aufgereiht vor einem Wohnhaus standen, dass es mich an „City of Angels“ erinnerte, wo alle Engel am Strand stehen und den Sonnenaufgang sehen…]. Naja, also getroffen und mit 3 Taxen zu einem Busbahnhof und von dort aus mit dem Bus zum Berg oder halt in die Berge. Unserer hieß nán wǔ tái shān und ihr könnt das ja mal googlen. Der Bus brauchte ungefähr eine Stunde und fuhr über Straßen, die bei uns nicht mal „Weg“ heißen würden. Auf der Rückfahrt rumpelte der Bus so, dass ich ungelogen ungefähr 30 cm hochflog und meine Schulter an der Haltestange für die Leute, die keinen Sitzplatz haben, gestoßen hab. Ihr habt also ein Bild vor Augen, ja?
Am Eingang des Nationalparks (?) angekommen, wussten wir, dass wir eigentlich einen anderen Weg gehen sollten, um keinen Eintritt zu bezahlen. Wurde uns so empfohlen. Gesagt, getan… Weit kamen wir jedoch nicht, weil auf einmal eine und dann zwei Chinesinnen eine Straßenblockade starteten. Man muss wissen, dass wir zwei chinesische Jungs mithatten, von denen die ollen Ziegen [entschuldigt, aber es ist berechtigt] also wussten, dass sie sie verstehen würden. Und die hielten doch tatsächlich immer mindestens einen Chinesen in Schach, inklusive am Rucksack oder am Arm ziehen und so Geschichten. Wir kamen also quasi nicht voran. Wir sollten bezahlen, wussten aber eigentlich, dass es auch ohne ging. Außerdem wussten wir nicht, was das für Tussis waren, weil die natürlich keine Papiere hatten und so. Es artete dann ziemlich aus. Laute Unterredungen auf Chinesisch und Englisch, dazwischen total verblüffte Ausländer [also wir], die immer nur wiederholen konnten, dass das so ja nicht gehe und dass die kein Recht hätten uns festzuhalten und so. Ich mischte auch kurz mit, aber es war einfach nichts zu machen, um als gesamte Gruppe loszukommen. Wir hatten eine temperamentvolle Italienerin dabei, die mit mir zusammen versuchte, den Arm eines Chinesen aus den Klauen einer ollen Tussi zu befreien, und ich dachte, dass jeden Moment eine Prügelei starteten würde. Stattdessen holte die eine olle auf einmal aus und haute die Italienerin irgendwie mit ihrer Jacke auf dem Kopf. In der Jacke war was drin und das Ende vom Lied war, dass die Italienerin am Kopf blutete, wir umdrehten, um zu bezahlen und alle mehr als fassungslos waren. Blöder Auftakt für unsere Tour.
Die wurde dann aber doch noch ganz schön! Das Wetter war halbwegs erträglich und wir haben uns insgesamt 4 oder 5 Tempel angeguckt auf dem Weg zur Spitze. Aber ich kann euch sagen, dass das das Anstrengendste war, was ich jemals in meinem Leben gemacht habe. Es war nicht wie bei uns beim Bergsteigen, sondern es gab meistens Treppen oder Treppen-ähnliche Steine, die wir benutzen mussten. Und keiner wusste genau, wann wir das Ziel endlich erreichen würden und ob wir überhaupt jemals ankommen würden. Zwar gab es Pausen und so, aber ich war trotzdem meist zusammen mit der Italienerin (auch eine Sylvia) Bummelletzte und irgendwann wollte ich echt aufgeben. Aber wir haben es geschafft und sind bis zum Haupttempel auf der Spitze des Berges gekommen. Von dort oben sahen wir … nichts! Echt nicht. Nebelschwaden oder so was versperrten jeglichen Blick in Richtung Tal und wir waren uns alle einig, dass sich der Aufstieg bis ganz nach oben nicht gelohnt hat, außer das wir jetzt sagen können, wir waren oben. Die letzte Stunde Treppen hätten wir uns also gut und gerne auch sparen können. Aber im Nachhinein war es schon toll. Die Gruppe war super und wir werden uns wahrscheinlich alle immer mit einem Lachen an die Sache erinnern. Einmal stiegen wir nämlich ein paar Treppen hoch, die aber plötzlich endeten. Weil uns Chinesen von ein bisschen weiter oben aber zuriefen, dass es besser werde, sind wir nicht umgedreht… es endete damit, dass wir durch tiefstes Gestrüpp den Hang hochkletterten und uns über jeden Baum freuten, den wir zum Festhalten oder Hochziehen finden konnten. Der Abstieg war dann auch noch mal anstrengend, weil wir uns verlaufen haben [von Wegweisern im Wald halten Chinesen nicht viel, dafür aber von Müll im Wald] und weil mein linkes Knie höllisch wehtat. Aber wir mussten nicht ganz runter, sondern „nur“ zu einem Parkplatz, von wo aus uns Autos in Tal brachten.
Toller, aber extrem anstrengender Ausflug. Aber immerhin musste ich hinterher nicht mit Muskelkater kämpfen. Um halb 7 waren wir wieder an der Schule, um halb 8 verabredeten wir uns zum Essen. Also schnell duschen und 2 Minuten verschnaufen und schon ging es wieder los. Aber man ist ja nur einmal jung oder so. ;)
Essen war lecker, wir waren 18 Leute oder so, glaub ich. Vom Essen aus ging es zu Fuß Richtung KTV [=Karaoke]. Das erste KTV war voll und wir rätselten kurz rum, was wir nun machen sollen, aber Liu Kang organisierte woanders eine Reservierung und wir fuhren mit ein paar Taxen hin. Toll! Das KTV war wie ein Hotel, oder zumindest hatten die zwei Etagen des Hauses für’s KTV. Lange Gänge von denen recht uns links Zimmer abgingen, wie Hotelzimmer. Und jede Gruppe konnte dann einen Raum mieten, in dem man mit seinen Freunden singen und trinken konnte. Das hat echt viel Spaß gemacht, auch wenn ich mich mit dem Trinken Singen natürlich zurückgehalten habe… Wir hatten einen sehr großen Raum und es war echt gemütlich und eine lustige Erfahrung. Mit der Zeit verkleinerte sich die Gruppe, am Ende [also um 6 am Morgen] waren wir nur noch zu fünft. Zwei Chinesen, eine Chinesin, ein Amerikaner und ich. Die Zeit hatte ich den ganzen Abend nicht so im Blick, aber es hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht und wird demnächst wiederholt. Bin mit dem Taxi nach Hause und war froh, als ich im Bett lag.
Die Woche lag nichts Besonderes an… Unterrichten [lief gut], Chinesisch lernen [lief so lala bis gut], Essen in der Straße mit Studenten und Kollegen und so. Donnerstag ist Maria bei mir eingezogen und das läuft auch alles gut bis jetzt.
Eigentlich sollte an diesem Wochenende eine Show der Schule stattfinden, aber das wurde nun abgesagt. Mama und Papa wissen genaueres bei Interesse. Ich trau mich gar nicht, darüber zu schreiben… wer weiß, wer mitliest…
Jedenfalls hab ich nun also unverhoffter weise das ganze Wochenende frei und das haben wir dann gestern Abend gleich mal ausgenutzt. Habe mich mit Sylvia und Julia, den beiden Kolleginnen von mir, zum Essen getroffen. Hier so in einer Gasse, sehr lecker. Von dort aus ging es mit dem Bus in die Stadt, wo wir uns am Bell Tower mit Liu Kang trafen. Wir spazierten zusammen durch die „Feinschmeckerstraße“, wie er es immer so nett ausdrückte… die Straße im Moslemviertel, wo ich schon mal mit Sylvia war. War ein netter Spaziergang, der eigentlich an einer Bar, stattdessen aber doch eher an einem Club endete. Wir Mädels meinten alle, wir seien dafür doch gar nicht richtig angezogen, aber Liu Kang sagte, das sei schon alles okay so und so ging es für mich zur ersten Club-Nacht hier in China. Im Club [der ohne Eintritt, dafür aber mit elektronischer Taschenkontrolle und behelmter Security war] warteten schon drei Freunde von Liu Kang, deren Namen ich leider schon wieder vergessen habe, auf uns. In so einer Art VIP-Bereich mit gemütlichen Couchen, einer Kellnerin, die alle drei Minuten kam und so. Man musste wohl eine bestimmte Anzahl von Geld vertrinken, damit man da sitzen durfte oder so. Die Jungs haben alles bezahlt, ich weiß nicht genau, wie das läuft. Haben auch ein bisschen getanzt und so und es war echt ziemlich toll da. Inklusive Vortänzern [oder GoGo-Tänzern] und jede Menge interessanter Leute. Auf dem Klo traf ich eine angeheiterte blonde Dame, die gaaaanz schlau feststellte… „Hey, you are not Chinese, are you?“ Nee. In der Tat! ;) Sie kam aus Kansas, USA, und hatte mal einen deutschen Austauschschüler oder so. Kann mich nicht mehr genau erinnern. Irgendwann war Julia weg und wir machten uns dann auch auf den Weg. Kulturelle Unterschiede hab ich hier schon mal festgestellt, was so das Miteinander von Mann und Frau angeht, und auch diesmal war es wieder kurz „schwierig“, als lange hin- und her-überlegt wurde, ob wir noch was machen oder nicht. Sylvia meinte, die Jungs trauen nicht, sich zu sagen, dass sie eigentlich nach Hause müssen und Liu Kang meinte auch, dass sein Vater zuhause wartet, aber letztendlich sind wir dann doch noch mit 5 Chinesen losgezogen, um etwas zu essen… Um 2 war ich zuhause und das war ein super Abend. Kultureller Unterschied auch: Die Jungs haben alles bezahlt, wir durften nicht mal die Suppen bezahlen, sondern sollen nun beim nächsten Mal bezahlen. Malsehen, was dann wird. Aber ich glaub, wir sind quasi schon fast verabredet für nächstes Wochenende.
Heute abend gehen wir mit ein paar Lehrern essen, die eine hat Geburtstag, außerdem ist Abschied von der einen Teacher Trainerin, die den Kurs gemacht hat, bei dem ich Chinesisch gelernt habe, und meine, Marias und Franciscos Ankunft sind auch noch Anlass, glaub ich. Ein Deutscher, der hier Chinesisch gelernt hat, fliegt morgen auch nach Hause, so dass wir dann nach dem Essen sicher auch noch etwas machen werden… Malsehen…
Mit dem Chinesisch läuft es so lala. Ich hab in der Woche einfach keine Zeit zu lernen, aber nun hab ich zusammen mit Maria, Alexandra und Sylvia Unterricht bei einer Lehrerin von unserer Schule hier, 2x die Woche 90 Minuten, so dass es dann vielleicht besser klappt mit lernen und so. Ich bin bereit, nur die Zeit ist halt knapp.
Ab Montag hab ich auch ne neue Klasse… Keiner weiß warum, aber die Lehrer wurden gewechselt. Ein paar von ihnen kenn ich schon von meiner ersten Woche Unterricht, aber doof isses trotzdem, weil es mit „meinen“ Schülern grad gut lief. Fotos demnächst…
Bis bald und noch ein schönes Wochenende.
PS: Ihr dürft gern Kommentare hinterlassen. Ich würde mich freuen.